Gebet von Bischof Dr. Stephan Ackermann

Jesus,
unser Gott und Heiland,
in einer Zeit der Belastung und der Unsicherheit für die ganze Welt
kommen wir zu Dir und bitten Dich:

  • für die Menschen, die mit dem Corona-Virus infiziert wurden und erkrankt sind;
  • für diejenigen, die verunsichert sind und Angst haben;
  • für alle, die im Gesundheitswesen tätig sind und sich mit großem Einsatz um die Kranken kümmern;
  • für die politisch Verantwortlichen in unserem Land und weltweit, die Tag um Tag schwierige Entscheidungen für das Gemeinwohl treffen müssen;
  • für diejenigen, die Verantwortung für Handel und Wirtschaft tragen;
  • für diejenigen, die um ihre berufliche und wirtschaftliche Existenz bangen;
  • für die Menschen, die Angst haben, nun vergessen zu werden;
  • für uns alle, die wir mit einer solchen Situation noch nie konfrontiert waren;
  • für die Menschen, die am Virus verstorben sind, und für diejenigen, die im Dienst an den Kranken ihr Leben gelassen haben.

Herr, steh uns bei mit Deiner Macht,
hilf uns, dass Verstand und Herz sich nicht voneinander trennen.
Stärke unter uns den Geist des gegenseitigen Respekts, der Solidarität und der Sorge füreinander. Hilf, dass wir uns innerlich nicht voneinander entfernen.
Stärke in allen die Fantasie, um Wege zu finden, wie wir miteinander in Kontakt bleiben.

Wenn auch unsere Möglichkeiten eingeschränkt sind,
um uns in der konkreten Begegnung als betende Gemeinschaft zu erfahren,
so stärke in uns die Gewissheit, dass wir im Gebet durch Dich miteinander verbunden sind.

Wir stehen in der Fastenzeit.
In diesem Jahr werden uns Verzichte auferlegt,
die wir uns nicht freiwillig vorgenommen haben und
die unsere Lebensgewohnheiten schmerzlich unterbrechen.

Gott, unser Herr, wir bitten Dich:
Gib, dass auch diese Fastenzeit uns die Gnade schenkt, unseren Glauben zu vertiefen
und unser christliches Zeugnis zu erneuern,
indem wir die Widrigkeiten und Herausforderungen, die uns begegnen, annehmen
und uns mit allen Menschen verstehen als Kinder unseres gemeinsamen Vaters im Himmel.

Sei gepriesen in Ewigkeit. Amen.


Es können ein "Vater unser" und ein "Gegrüßet seist du, Maria" angefügt werden.


Gebet nach Zitaten von P. Alfred Delp

Gottes Kraft geht alle Wege mit!“

Vor 75 Jahren, am 2.2.1945 wurde P. Alfred Delp SJ in Berlin hingerichtet. Aus der Zeit seiner Inhaftierung, von Juli 1944 bis zu seinem Tod hat er uns beeindruckende Tagebuchnotizen hinterlassen. Darin bringt er sowohl sein unbändiges Gottvertauen als auch seine bangen Fragen und Zweifel ins Wort. In so schweren und schwierigen Zeit, wie der unsrigen, können seine Gedanken uns helfen beim eigenen Beten und Ringen.

In drei Schritten wollen die Zitate von P. Delp zur persönlichen Betrachtung anregen. Im anschließenden Gebet werden sie mit der aktuellen Situation in Verbindung gebracht. Die vielfältigen Sorgen sollen darin vor Gott zur Sprache kommen. So kann das je eigene und gemeinsame Gebet gepflegt und auch als Netzwerk der Verbundenheit erfahren werden.



1. Die innere Ruhe

„In uns selbst strömen die Quellen des Heiles und der Heilung. Gott ist als ein Brunnen in uns, zu dem wir zu Gast und Einkehr geladen sind. Diese inneren Quellen müssen wir finden und immer wieder strömen lassen in das Land unseres Lebens. Dann wird die Wüste gewandelt. Ich will euch erquicken: Das alte Herrenwort wird vom strömenden Geist Gottes eingelöst. Von innen her wird uns die Kraft und die geistige Sicherheit und Überlegenheit kommen. Wie oft habe ich dies erfahren in der Hetze und Gejagtheit dieser Monate, unter der Last und Übermacht: dass auf einmal die Frische und die Kraft von innen her aufgehen als morgendliche Sonne… . Wenn wir die inneren Quellen nicht finden, helfen uns keine Anspannungen und keine äußere Ruhe. Wo aber der Geist Gottes den Menschen anrührt, da gerät er über seine Maße hinaus, und es ist immer etwas von der heiligen Stille und seligen Ruhe, der erholsamen Ruhe der Gottesnähe, des Domes, der Waldlandschaft , der guten Freundschaft in ihm.“

Gebet

Du unser Gott, derzeit bedrängen uns viele offene Fragen. Stündlich neue Meldungen zum Corona Virus verunsichern, bedrängen und erschüttern uns heftig. Das öffentliche Leben ist erheblich eingeschränkt und gelähmt. Viele Menschen sind in großer Sorge um ihre Angehörigen und sich selbst. Vielen sitzt die Angst im Nacken vor dem, was noch alles kommen wird. Die Zahl der Erkrankten nimmt ständig erschreckend zu. Darum bitten wir dich um deine Nähe und Hilfe, deinen Beistand und Trost.

Stärke du unser erschüttertes Vertrauen. Wende du die weit verbreitete, vielfältige und allgegenwärtige Not. Stehe du uns darin bei. Hilf uns, nicht zu verzweifeln, sondern besonnen zu bleiben, beharrlich und inständig zu beten, um so den Himmel zu bestürmen. Lass uns erfahren, dass dein Geist uns von innen her stärkt und beruhigt. Öffne unsere Sinne für jeden Lichtblick und Hoffnungsschimmer. Schenke und erhalte uns ein hörendes und mitfühlendes Herz, das lieber verwundbar bleibt, als hart oder kalt zu werden.



2. Die äußerste Not

„Deswegen soll der Mensch auch in der äußersten Not die Zuversicht nicht aufgeben. Er soll bedenken, dass der Herrgott sein Leben teilt, dass er vom Heiligen Geist in die Intimität mit Gott berufen ist und so der Herrgott selbst nun die harten Zeiten und Strecken mit durchwandert, also die äußere Bedrängnis tragen hilft. Dass der schöpferische und heilende Geist Gottes in jeder Wirklichkeitsfaser des Menschen gegenwärtig ist und von innen her mitlebt. Auch das leidende und verwundete Leben. Wenn der Glaube schwankt, die Hoffnung zerbricht, die Liebe erkaltet, die Anbetung erstarrt, der Zweifel nagt, der Kleinmut sich über alles Leben breitet wie das Leichentuch der Winterlandschaft, der Hass und die Anmaßung den inneren Atem würgen: dann ist das Leben auf den Tod verwundet. Dann ist es Zeit, umzukehren und den Geist von innen her neu bauen und schaffen zu lassen… .Wehe dem Menschen, der dann allein bleibt und nichts weiß von der inneren Nähe des Geistes. Der Mensch allein verzagt und versagt. Ich spüre es doch Tag für Tag, Stunde um Stunde: allein mit der Sache und Sachlage wäre ich schon längst innerlich erwürgt und erschlagen… . Und doch hilft mir der Geist Gottes immer wieder über die kleinen Stunden hinweg: ich weiß und spüre es. Allein hätte ich es schon lange nicht mehr geschafft. Gott heilt. Die heilende Kraft Gottes lebt in mir und mit mir.“

Gebet

Ja, Gott, du bist doch mit uns und bleibst bei uns in allem, auch in dieser schlimmen Zeit der Krise und äußersten Not. Kaum zuvor ist uns die Bedrohung und Gefährdung unseres Lebens so deutlich geworden, wie gerade in diesen unseren Tagen. Unser Leben ist aus seiner gewohnten Ordnung und seinen gewöhnlichen Abläufen geraten. Wir wissen nicht, wie es weitergehen wird, und wie es mit uns weiter gehen soll. Darum rufen, flehen und schreien wir zu dir, wie die Menschen in den Psalmen. Wie sie klagen wir dir unsere Not und schütten unsere Herzen bei dir aus. Du allein kannst uns letztlich helfen und heilen, trösten und retten. Du allein kannst uns aufrichten und beistehen, beruhigen und bewahren. Stärke uns im Vertrauen, dass wir in deiner Hand wahrhaft geborgen sind. Dein schöpferischer und heilender Geist wirke in uns und unter uns. Er schaffe in uns neuen Atemraum in aller Bedrängnis, inneren Halt in jeder Verunsicherung und festen Grund und Boden in jeder Erschütterung.



3. Die Wüste der Preisgegebenheit

„Wenn die inneren Lieder verklungen sind und die inneren Brunnen nicht mehr strömen und das weite Land des inneren Lebens zur Wüste geworden ist: Sand, Steppe und Stein.. Es gibt die persönliche Dürre, in die der einzelne geraten kann. Schließlich bleibt noch die Dürre, die uns überfällt als Ermüdung und Überanstrengung. Gottes Lasten können sehr schwer sein und seine Tage sehr dunkel und heiß. Und noch ein letztes mal gerät der Mensch in die Wüste: wenn Gott ihn in die Einöde der Prüfung und Auslastung schickt. Er soll ruhig gehen, aber inständig und treuherzig nach Gottes Hand greifen. Die Wüsten müssen bestanden werden, die Wüsten der Einsamkeit, der Weglosigkeit, der Schwermut, der Sinnlosigkeit, der Preisgegebenheit. Gott, der die Wüste schuf, erschließt auch die Quellen, die sie in fruchtbares Land verwandeln. Das flehende Herz und der vertrauende Sinn rufen seine Treue. Die Wüste gehört dazu… Allein und schutzlos den Winden und Wettern, dem Tage und der Nacht und den bangen Zwischenstunden preisgegeben. Und dem schweigenden Gott. Ja, auch dies ist eine, nein, es ist die Preisgegebenheit. Wir können dem Leben trauen, weil wir es nicht alleine zu leben brauchen, sondern weil Gott es mit uns lebt.“

Gebet

Gott, du Schöpfer des Weltalls, des Himmels, der Erde und eines jeden Menschen. Du weißt wie aufgewühlt wir derzeit sind, und wie ausgeliefert wir uns vorkommen. Du bist vertraut mit all unseren Gedanken und Gefühlen, Ängsten und Zweifeln, unserem Hoffen und Bangen, Kämpfen und Ringen. Darum strecken wir uns in dieser Krise aus nach dir, suchen wir bei dir Rat und Hilfe, tasten wir nach deiner Hand, um uns von dir berühren und halten zu lassen.

Wir wissen nicht, wie lange die Durststrecke durch diese Wüste unserer Zeit noch dauert, was sie noch alles mit sich bringen wird. Wir spüren sehr deutlich, wie stark sie uns herausfordert. Was willst du uns damit zeigen oder lehren?

Worauf willst du uns verweisen?

Stärke du uns immerfort, damit wir die Belastungen ertra­gen und die Preisgegebenheit aushalten können.

Hilf uns, Anteil zu nehmen und solidarisch zu sein in unserem Beten und Verhalten.

Segne alle, die jeden Tag ungeheuer viel durchzustehen und zu bewältigen haben, in Sozialstationen, Kranken­häusern und Seniorenheimen, in der Pflege von Haus­kranken und Alten, im Einsatz für die Grundversorgung der Menschen.

Erweise du uns in allen Lebensbereichen deinen Beistand und Schutz.

Bewahre du uns, o Gott, im Geheimnis deiner unzerstörbaren Treue.

Deine Geistesgegenwart belebe und helfe uns!

Deine Heilkraft stärke und erhalte uns!

Dein Antlitz erleuchte und tröste uns!

Dein Segen schütze und begleite uns! Amen.

Paul Weismantel